„Ich mag die Farbe total gern aber würdest du sie trotzdem einmal ändern?”

Der wahre Grund warum die meisten Grafikdesigner graue Haare haben ist nicht etwa der neueste Hipster-Trend sondern der tägliche, nervenaufreibende Kampf mit ihren Kunden. Ein nicht ganz ernst gemeinter Text über das Verhältnis von Grafikern zu Marketing-Menschen.

 

Vorsicht: dieser Text kann Spuren von Sarkasmus enthalten!

 


Zum Schreien, so ein Job als Grafiker.

 

Grafiker sind präzise Profis – oder mit anderen Worten: penible Pedanten. Sie lieben ihre Arbeit und Kreativität liegt ihnen im Blut. Nichts schmerzt eine solch sensible Seele mehr als die utopischen Forderungen profitgieriger Marketing-Manager und schlicht ahnungsloser Kunden. Wir übertreiben maßlos? Hier ein paar Beispiele…

 

Photoshop – it’s Magic!

 

Dem Kollegen auf dem Teamfoto die spiegelnde Brille aus dem Gesicht retuschieren oder für das neue Logo ein Rhinozeros durch einen Feuerreifen springen lassen? Mit Photoshop ist das überhaupt kein Problem! Sie haben es wahrscheinlich schon immer geahnt aber hinter diesen und ähnlichen Kunststücken steckt nicht weniger als schwarze Magie. Grafikdesigner huldigen finsteren Gottheiten und verkaufen nicht selten ihre Seele um das unmögliche Grafikproblem mit wenigen Klicks möglich zu machen. Und das Beste dabei: es geht schnell und kostet Sie wenig!

Sollte Ihr Grafiker Ihnen demnächst also noch einmal etwas über “echtes Handwerk”, “unzählige Layer” oder “stundenlange Retuschierarbeit” erzählen wollen, lassen Sie sich nicht täuschen, Sie kennen die Wahrheit!

 

Schriftarten

 

Impact, Times New Roman oder Comic Sans – es gibt Typos die bei Grafikdesignern augenblicklich Krämpfe in sämtlichen Gehirnwindungen und damit große körperliche Schmerzen auslösen. Trotzdem oder wahrscheinlich gerade deswegen bestehen einige Kunden regelmäßig darauf das neueste Kunstwerk ihres talentierten Grafikers mit einer solchen Schriftart zu verschandeln. Dass der sich zuvor eine eigene, aus marketing-psychologischer und grafischer Sicht perfekt geeignete Typo ausgedacht hat, spielt dabei überhaupt keine Rolle.

 

Oh Mächtiger Grafiker vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!

 

Ähnlich verhält es sich übrigens mit der Anordnung von Text und Bild. Während der Grafikdesigner geduldig versucht Beides in einen harmonischen Einklang zu bringen scheint der Kunde prinzipiell den Grundsatz “Bigger is better” zu verfolgen. Nein, Leuchteffekte, knallige Farben und Comic Sans – in 3D – sind nicht der Schlüssel zu einer erfolgreichen Grafik.

 

Die Zielgruppe

 

Eine gute Grafik, ein Logo oder Bannerwerbung zeichnen sich nicht nur dadurch aus, dass sie dem Grafiker und seinem Kunden gefallen, sondern dass sie eine Zielgruppe ansprechen. Klingt simpel. Das Problem dabei ist, dass Sie eine Zielgruppe definieren müssen bevor der Grafiker seine Arbeit auf diese zuschneiden kann. Und nein, Männer und Frauen im Alter von 0 Jahren aufwärts, sind keine geeignete Zielgruppe!

 


„Das hätte ich gerne noch anders.“

 

Auch die Aussage “Ich bin die Zielgruppe und mir gefällt es nicht”, ist selten hilfreich. Je mehr Input Sie dem Grafiker über die Zielgruppe zur Verfügung stellen, desto einfacher fällt ihm seine Arbeit und desto besser wird das Ergebnis. Das schont nicht nur die Nerven der Grafik-Fachkraft sondern spart Ihnen auch eine Menge Geld – und das ist doch das wichtigste, oder?

 

Geistiges Eigentum

 

“So ein bisschen wie das Logo von XY, nur anders”. Egal ob es um fremde Grafiken, Bilder oder Texte geht, eine unerlaubte Verwendung bedeutet in jedem Fall die Verletzungen geistigen Eigentums und kann teure Strafen oder Unterlassungsklagen mit sich ziehen. Nichtsdestotrotz sehen sich Grafikdesigner häufig der Forderung ausgesetzt einfach ein Bild von Google zu verwenden und zur Not ein bisschen abzuändern – wozu gibt es schließlich auch Photoshop?

Richtig, Photoshop dient nur dazu, dass sich geizige Kunden die wenigen Euro für eine Bildlizenz sparen können und ihr Grafiker unzählige Stunden damit beschäftigt ist den Ideenklau auch noch so zu bearbeiten, dass er straffrei bleibt.

Dieses Vorgehen ist nicht nur an der Grenze der Legalität, es verstößt auch massiv gegen die Moralvorstellungen und das Ehrgefühl unter Grafikern. Aber warum auch die Arbeit von Kollegen achten und etwas eigenes kreieren, wenn man auch einfach das vom Chef ergoogelte Bild viel aufwendiger und teurer reproduzieren kann!

 

Verschlimmbessern

 

“Das sieht doch jetzt viel besser aus, findest du nicht?” Noch so ein Satz, der einen Grafiker Jahrzehnte seines glücklichen Lebens kostet.

 

Zugegeben, wenn der Grafikdesigner tätig wird bedeutet das für den Rest des Teams meistens zu warten. Das ist aber noch lange kein Grund sich neben den Betroffenen zu setzen und ihn mit weisen Ratschlägen von der Arbeit abzuhalten. Oder noch schlimmer: seine gelungene Arbeit zu verschlimmbessern. Gerade wenn Sie als Vorgesetzter dem Grafikdesigner gegenüber weisungsbefugt wären, überdenken Sie Ihre Macht und beherzigen Sie diesen gut gemeinten Ratschlag: er ist der Profi.