Personen auf Fotos: Wann brauche ich eine Genehmigung

Wer Menschen fotografiert, braucht dafür deren Einwilligung. Doch wer ganze Gruppen ablichtet kommt ohne davon. Stimmt doch, oder doch nicht? Sie sollten unbedingt weiterlesen!

Wer wen und in welchem Fall fotografieren darf regelt zu einem großen Teil das KunstUrhG – mit vollem Namen Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie. Der amtliche Gesetzestitel lässt schon vermuten, wie das mit dem Recht am eigenen Bild ist: kompliziert.

Heute, wo auf der Straße viele Menschen mit ihren Smartphones in die Menge fotografieren und die Bilder direkt in die Cloud hochladen, in den sozialen Netzwerken veröffentlichen oder sogar Livestreams in der Öffentlichkeit produzieren, ist das Thema aktueller denn je, denn immerhin schützt das Gesetz in erster Linie Persönlichkeitsrechte.

Wir haben sieben Behauptungen herausgegriffen, die wir immer wieder hören. Bei vielen handelt es sich um waschechte Mythen, die sich hartnäckig in den Köpfen der (Hobby-) Fotografen halten.

Es handelt sich hierbei übrigens nicht um eine Rechtsberatung, wir übernehmen also keine Garantie für die Richtigkeit der Informationen. In vielen Fällen muss abgewogen werden. Im Ernstfall sollten Sie sich immer einen Anwalt zu Rate ziehen.

 

Behauptung 1: Ist eine Person nur Beiwerk auf einem Foto und nicht das eigentliche Motiv, benötige ich keine Genehmigung.

 

Grundsätzlich benötigen Sie von jeder Person, die Sie fotografieren, die Einwilligung, bevor Sie die Bilder verbreiten oder öffentlich zur Schau stellen, das besagt §22 des KunstUrhG. Veröffentlichen umfasst natürlich auch, wenn Sie ein Foto bei Facebook, Instagram oder einem anderen sozialen Netzwerk hochladen, es in eine Präsentation einbauen oder per WhatsApp teilen.

Ist das eigentliche Motiv aber keine Person, sondern etwas ganz anderes, zum Beispiel eine schöne Landschaft oder ein Gebäude, und weitere Personen sind nur zufällig im Bild, handelt es sich bei ihnen um Beiwerk. Das geht aus §23 (2) hervor. Allerdings mit der Einschränkung, dass die eingefangenen Personen keinen besonderen Blick auf sich ziehen dürfen, das Bild sollte also ohne diese Personen dieselbe Wirkung haben wie mit.

Behauptung 1: Fakt

 

Recht am eigenen Bild: Beiwerk

Landschaften und Gebäude dürfen ohne spezielle Genehmigung fotografiert werden. Manchmal klappt das, ohne dass Menschen ins Bild laufen (links), manchmal ist das schier unmöglich (rechts). Ist das Hauptmotiv allerdings die Landschaft oder wie im Bild rechts der Big Ben in London, sind Passanten in der Regel nur Beiwerk – damit wäre keine spezielle Einwilligung notwendig.

 

Behauptung 2: Solange ich ein Bild nur für mich privat schieße darf ich jeden fotografieren.

 

Das KunstUrhG bezieht sich auf die Veröffentlichung und Verbreitung von Fotografien – darf ich also im Umkehrschluss Fotos von allem und jeden machen, solange die Bilder auf meiner Kamera oder meinem Computer bleiben?

Zunächst ist das Persönlichkeitsrecht vom Grundgesetz geschützt, das betrifft vor allem die Intimsphäre einer Person, also zum Beispiel im Zusammenhang mit Krankheit, Tod oder Sexualität.

Das Strafgesetzbuch (StGB) schafft für die Verletzung der Intimsphäre sogar einen Straftatbestand: An Orten, die dem höchstpersönlichen Lebensbereich einer Person zuzuordnen sind, also etwa in einer Wohnung, im Hotelzimmer und anderen Orten außerhalb der Wohnung, die besonders blickgeschützt und nicht öffentlich zugänglich sind, etwa Balkone und Terrassen, öffentliche Toiletten und Umkleideräume.

Eine Straftat kann in diesen Fällen auch dann vorliegen, wenn keine Veröffentlichung oder Verbreitung erfolgt, da es schon ausreicht, in Kauf zu nehmen, dass die aufgenommene Person mit der Aufnahme nicht einverstanden ist.

Behauptung 2: Mythos

 

Behauptung 3: Ab einer bestimmten Personenzahl dürfen Personengruppen und Menschenmengen ohne Einwilligung fotografiert werden.

 

Hier lösen wir gleich zu Beginn auf: Es handelt sich um einen Irrglauben. Es sind sogar verschiedene Varianten im Umlauf: Ab sieben Personen ist das Fotografieren von Personengruppen ungefragt erlaubt, ab zehn Personen, 15, 20.

Tatsächlich ist es so, dass auch hier §22 des KunstUrhG greift: Von jedem wird eine Einwilligung benötigt, bevor ein Bild veröffentlicht oder verbreitet werden darf.

Ohne die mündliche oder schriftliche Einwilligung ist eine Veröffentlichung oder Verbreitung nur möglich, wenn die Gruppe eine sogenannte konkludente Einwilligung gibt, sie also für ein Foto posiert, in die Kamera lächelt oder dergleichen. Aber Vorsicht: Das gilt natürlich für alle Personen auf dem Foto.

Auch wenn die Gruppe es geradezu provoziert, fotografiert zu werden, also zum Beispiel in Hühnerkostümen über die Straße läuft und eine entsprechende Show abzieht, lässt sich eine Einwilligung ableiten.

Im Kern bleibt es aber dabei: Auch bei Personengruppen ist eine Einwilligung erforderlich.

Behauptung 3: Mythos

 

Personengruppe fotografieren
In diesem Fall sind die Fußgänger essentieller Teil des Motivs, demnach wäre eine Einwilligung aller sichtbaren Personen notwendig.

 

Behauptung 4: Wer fotografiert wird und nicht aktiv etwas dagegen unternimmt, ist stillschweigend mit dem Foto und der Veröffentlichung einverstanden.

 

Das stimmt nur im Ansatz: Denn fotografierte Personen müssen natürlich auch die Gelegenheit haben, etwas gegen das Fotografiertwerden zu unternehmen. Ergo muss ihnen auch bewusst sein, dass sie abgelichtet werden und gegebenenfalls auch in welchem Rahmen. Die Entscheidung, ob ein Foto in Ordnung ist oder nicht könnte zum Beispiel davon beeinflusst werden, ob die Person zum Hauptmotiv wird oder nur ein kleinerer Teil eines Bilder werden soll.

Wie bei den Personengruppen gilt: Lächelt die Person in die Kamera oder posiert sogar dafür, kann man von einer Einwilligung ausgehen.

Andernfalls sind Sie nur mit einer schriftlichen oder mündlichen Einwilligung auf der sicheren Seite, denn im Notfall müssen Sie beweisen, dass Einwilligungen vorliegen oder es sich bei den Aufnahmen um Ausnahmen im Sinne des §23 KunstUrhG handelt.

Behauptung 4: Mythos

 

Behauptung 5: Für Fotos von Kindern benötige ich immer das Einverständnis des Kindes und das der Eltern.

 

Fotografieren Sie Kinder, beziehungsweise Personen unter 18 Jahren, benötigen Sie deren Einverständnis und das der Eltern oder Erziehungsberechtigten.

Behauptung 5: Fakt

 

Fotografieren auf einem Konzert

Fotografieren auf einem Konzert: Ist das erlaubt? Auf öffentlichen Veranstaltungen darf ohne Einwilligung fotografiert werden, allerdings auch nur das Geschehen im Mittelpunkt, nicht etwa einzelne Zuschauer. Verbieten die AGBs des Veranstalters das Fotografieren, muss man sich daran allerdings halten.

 

Behauptung 6: Auf Veranstaltungen kann ich fotografieren, wen ich will.

 

Auf öffentlichen Veranstaltungen, wie Konzerten, Umzügen oder Sportveranstaltungen gilt: Wer daran teilnimmt, muss in einem gewissen Rahmen damit rechnen, fotografiert zu werden. Auf den Fotografien muss allerdings die Veranstaltung im Vordergrund stehen – Sie können also nicht ohne Weiteres Zuschauer fotografieren und auch keinen einzelnen Teilnehmer, den Sie damit aus der Anonymität holen. Redner auf Veranstaltungen, Fußballspieler oder Bandmitglieder können während Ihres Auftritts relative Personen der Zeitgeschichte darstellen und damit auch als Einzelperson abgelichtet werden.

Vorsicht bei nicht-öffentlichen Veranstaltungen: Private Veranstalter können in ihren AGBs das Fotografieren auf ihren Veranstaltungen ausschließen – das passiert zum Beispiel auf Konzerten. Das Anfertigen von Fotos ist dann nicht erlaubt.

Behauptung 6: Mythos

 

Behauptung 7: Wer durch sein Verhalten provoziert, fotografiert zu werden, kann sich über eine Veröffentlichung nicht beschweren.

 

Wie im Beispiel der Personengruppe, die als Hühner verkleidet über die Straße rennt: Provoziert eine Person geradezu, dass ein Foto von ihr geschossen wird, ist das erlaubt – die Einwilligung gilt damit also als erteilt. Natürlich ist es vorher abzuwägen, ob denn nun tatsächlich eine Provokation vorliegt. Der Fotografierte mag das möglicherweise anders einordnen als der Fotograf.

Behauptung 7: Fakt

 

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Hinweis: Es handelt sich bei diesem Text nicht um eine Rechtsberatung. Eine adäquate Rechtsberatung im Sinne des Gesetzgebers darf nur durch einen zugelassenen Rechtsanwalt erfolgen.

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